Geschichte des MV Wenigzell

Die Anfänge des Musikvereins Wenigzell reichen in das 19. Jahrhundert zurück. Die offizielle Vereinsgründung erfolgte jedoch erst im Jahr 1953.

Die Blasmusik vor der Vereinsgründung

Aus mündlichen Überlieferungen ist bekannt, dass es in Wenigzell bereits vor 1890 Blasmusik im kleinen Rahmen gegeben hat. Auf einem Foto von 1900 sind die damaligen Musiker in der Uniform der Feuerwehr zu sehen, was beweist, dass es bereits damals eine Feuerwehrkapelle gegeben hat. Die Feuerwehrkapelle wurde bis zum 2. Weltkrieg geführt. Einer der Kapellmeister war der Landwirt Leonhard Ebenbauer. Nach dem 1. Weltkrieg war der Gastwirt Raimund Kristoferitsch sen. Kapellmeister, und zwar bis zur Gründung des Musikvereins im Jahr 1953. In der Zwischenkreigszeit standen im Durchschnitt etwa 15 Musiker zur Verfügung. Die Musiker rückten damals in der Uniform der Freiwilligen Feuerwehr aus.

Die Wenigzeller Musikkapelle ist zweifelsohne ein Kind der hier durch Jahrhunderte gut gepflegten Kirchen- und Chormusik. Das Kircheninventar aus dem Jahr 1919 zählt eine Fülle von Blasinstrumenten auf und bringt auch wichtige Notiz. Die damalige Musik bzw. Feuerwehrkapelle trat immer wieder öffentlich auf und verschönte kirchliche Feiern, aber auch andere Festivitäten. So wissen wir z.B., dass die Wenigzeller Blasmusikkapelle bei der Enthüllung des Kernstock-Denkmals am 10. Oktober 1927 flott aufspielte.

Im Jahr 1945 wurden so gut wie alle vorhanden gewesenen Instrumente und das Notenmaterial durch Kriegseinwirkung zerstört oder verschleppt, sodass nach Kriegsende keine Blasmusik existierte. Unmittelbar nach dem Krieg gab es sicher kein Verlangen nach irgendwelcher Musik. Nachdem das Leben trotz allem weitergeht, wurden bald wieder in dieser Richtung Akitivitäten gesetzt, und so ist es gelungen, einige Instrumente und bescheidenes Notenmaterial aufzutreiben, sodass bereits im Jänner 1947 von einheimischen Musikern zur ersten Hochzeit aufgespielt werden konnte.

Die Vereinsgründung

Der Musikverin Wenigzell wurde mit Beschluss der aktiven Musiker vom 27. April 1953 gegründet. Der Nichtuntersagungsbescheid der Sicherheitsdirektion wurde am 16. Juli 1953 und Zahl SD IV-Ver We 50/2-1953 erlassen. Zum ersten Obmann des neuen Vereins wurde der Landwird Leo Kandlbauer gewählt, zum Kapellmeister der Junggastwirt Raimund Kristoferitsch, Sohn des bis dahin aktiven Kapellmeisters Raimund Kristoferitsch sen. Zur Zeit der Vereinsgründung gab es in Wenigzell 21 aktive Blasmusiker. Die Namen dieser „Gründungssmitglieder“ seien hier in alphabetischer Reihenfolge festgehalten:

In der Gründungsversammlung am 27. April 1953 im Gasthof Kristoferitsch wurden weiters in Würdigung ihrer jahrzehntelangen treuen Tätigkeit bei der ehemaligen Feuerwehrkapelle die Musiker...

... zu Ehrenmitgliedern und der langjährige Altkapellmeister Raimund Kristofertitsch zum Ehrenkapellmeister ernannt.

Aus dem Vereinsgeschehen

Nach dem 2. Weltkrieg hatte unsere Musik vorerst keine einheitlich Kleidung. Im jahr der Vereinsgründung (1953) wurde dem Steirischem Blasmusikverband beigetreten und eine neue Uniform für die Musiker von der Firma Markos und Murdy in Graz angeschafft. Sie bestand aus schwarzer Hose, dunkelblauer Bluse mit rotem Speigel und Tellermütze. Sie wurde damals als sehr fesch empfunden. Zur teilweisen Finanzierung der neuen Uniform wurde im Jahr 1953 ein Gründungsfest veranstaltet, wie überhaupt die Finanzierung aller Aufwendungen aus vereinseigenen Aktivitäten wie Ballveranstaltungen, Bunte Abende und Konzerte erfolgte. Von Seiten der Gemeinde erhielt der Verein im Jahr 1956 eine Subvention von S 500.- und im Jahr 1967 eine solche von S 2.500.-. In der Beziehung war dann „Funkstille“ bis zum Jahr 1984. Seither erhält der Verein jährlich eine Subvention (1994: S 20.000.-).

Den Uniformen aus dem Jahr 1953 folgte 1963 eine neue Tracht in Form dunkelgrauer Hammerherrenanzüge, die 1973 durch neue ersetzt wurden. 1983 wurde diese Tracht ersetzt durch steingrüne Trachtenröcke mit schwarzer Hose und geblumten Westen. Die Hüte wurden in der bisherigen Form beigehalten (Ausserhut mit Schildhahnfeder). Im Jahr 1989 wurde diese Trachten ergänzt mit hirschledernen Bundhosen mit Trachtenschuhen, und im Jahr 1990 wurden neue Trachtenröcke in dunkelblauem Loden und neue Trachtenhüte angekauft, nachdem die im Jahr 1983 angekauften Trachten den zahlreichen Jungmusikern wieder zu klein waren. Die Finanzierung dieser enoremn Ausgaben erfolgte neben den vereinseigenen Mitteln durch großzügige Spenden der Bevölkerung sowie durch Subventionen der Gemeinde und des Landes. Die Sammelaktion unter den Gemeindebürgern erfolgt in der Weise, dass zwei Gruppen der Kapelle von Haus zu Haus fuhren (mit Traktorgespann) und bei jedem Haus im Gemeindegebiet aufspielten. Diese Aktion war nicht nur für die Musiker, sondern auch für die Bevölkerung eine einmalige Sache, die großen Anklang gefunden hat.

Was den vorhandenen Instrumentenpark anlangt ist festzustellen, dass die Gemeinde im Jahr 1963 für die ganze Kapelle 18 neue Instrumente ankaufte, um der drohenden Auflösung der Musik vorzubeugen, nachdem zu diesem Zeitpunkt die Begeisterung der aktiven Musiker ziemlich gelitten hatte. Allzuviel hat diese lobenswerte Aktion der Gemeinde leider nicht bewirkt, was zur Folge hatte, dass Kapellmeister Raimund Kristoferitsch im Frühjahr 1965 seine Funktion zur Verfügung stellte. Zu seinem Nachfolger wurde am 9.April 1965 der bisherige Stellvertreter Franz Sommersguter, Gemeindesekretär, gewählt.

Die im Jahr 1963 angekauften Instrumente wurden in der Zwischenzeit zum Teil durch neue ersetzt und außerdem zahlenmäßig dem Bedarf entsprechend aufgestockt. Im Zuge des Ankaufes der Lederhosen im Jahr 1989 wurde auch der Instrumentenpark teilweise erneuert, und zwar wurde ein kompletter Klarinettensatz, alle vier Tenöre und zwei Bässe, neu angekauft. Wenn man bedenkt, dass der Großteil dieser Kosten aus Vereinsmitteln aufgebracht wurde, so wird es nicht verwundern, dass für Kameradschaftspflege in Form von Ausflügen etc. relativ wenig aufgewendet wurde.Wenn eine größere kameradschaftsfördernde Aktion gesetzt wurde, wurden die Musiker immer mit entsprechenden Beiträgen belastet. Die erste diesbezügliche Aktion wurde 1966 angepackt in Form einer Reise zu unserer Patengemeinde Elgg in der Schweiz. Im Jahr 1985 reisten wir nach Innsbruck, um ein Konzert der „Wiltener“ zu besuchen, und im Jahr 1991 besuchten wir die Feuerwehrkapelle in Bad Oldesloe nördlich von Hamburg. Selbstverständlich reisten die Musikerfrauen mit, soweit sie abkömmlich waren. Letztere Reise nach Bad Oldesloe war der Anregung des Wenigzellers Sepp Krückl zu verdanken, der sich dort niedergelassen hat. Alle angeführten Reisen werden den Beteiligten lange in Erinnerung bleiben, und man war jeweils davon begeistert.

An regionalen Veranstaltungen hat unser Verein zwei Bezirksmusikertreffen veranstaltet, und zwar 1963 und 1989. Außerdem hat der Verein durch einige Winter bei unserem Lift das Bezirksschirennen durchgeführt. An musikalischen Aktivitäten wären neben den alljährlich wiederkehrenden Auftritten die aufgeführten Weihnachts-Wunschkonzerte zu erwähnen, die recht gut angekommen sind, sowie einige Bunte Abende, die mit dem Kirchenchor gemeinsam gestaltet wurden. Dabei wurden auch einige Singspiele aufgeführt. Nach 30-jähriger Funktion als Kapellmeister und 55-jähriger Tätigkeit für den Musikverien Wenigzell legte OAR Franz Sommersuter aufgrund der Vollendung des 70. Lebensjahres seine Aufgaben nieder und übergab 1995 seine Funktion an Hans-Jürgen Bauer und Sommersguter wurde zum Ehrenkapellmeister.

Obmänner

  • 1953 – 1963 Kandlbauer Leo
  • 1963 – 1986 Hauswirtshofer Josef
  • 1986 – 1998 Kroisleitner Johann
  • 1998 – 2014 Maderbacher Anton
  • 2015 – 2016 Hauswirtshofer Stefan
  • 2017 – ???? Gruber Michael

Kapellmeister

  • 1953 – 1965 Kristoferitsch Raimund
  • 1965 – 1995 OAR Sommersguter Franz
  • 1995 – 2002 Hans-Jürgen Bauer
  • 2002 – 2004 Morgenbesser Robert
  • 2004 – 2016 Binder Gerald
  • 2017 – ???? Binder Gerald und Faustmann Josef